Der mit der ALS-Erkrankung (Amyotrophe Lateralsklerose) einhergehende Verlust der Selbstständigkeit und die Notwendigkeit adäquater und umfangreicher Pflege erfordert ein patientenzentriertes Gesamtkonzept. Ziel des Projektes ROBINA, das derzeit für vier Jahre finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mittel erhält, ist daher die Entwicklung von robotergestützten individuellen und ressourcenorientierten Palliativ- und Intensivdiensten.

 

 

ALS ist eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Diese neurologische Lähmungserkrankung, die im Verlauf zu einem vollständigen Verlust der Motorik und hochgradiger Pflegebedürftigkeit führt, belastet die Pflegenden schwer, wenn sie das Autonomiebedürfnis der Pflegebedürftigen beachten wollen. Besonders der stetige Unterstützungsbedarf wie etwa das Hantieren mit Gegenständen und das Bewegen des gelähmten Körpers stellen hohe Anforderungen an die Pflege. Durch das ROBINA-Konzept sollen die Pflegebedürftigen eine Zunahme von Patientenautonomie erhalten, bei zeitgleicher Entlastung von Pflegenden.

 

 

Etwa 7000 Menschen allein in Deutschland leiden an ALS. ALS-Erkrankte sind auf Hilfsmittel angewiesen, die ihnen die Aktivitäten des Alltags erleichtern. Die Charité–Universitätsmedizin Berlin und das Pflegewerk Berlin wollen jetzt zusammen mit verschiedenen Partnern aus der Industrie und der Hilfsmittelversorgung einen Robotikarm entwickeln, der Betroffenen zu mehr Eigenständigkeit im täglichen Leben verhilft.

 

 

Innerhalb des Projekts wird ein neues sicheres Leichtbaurobotiksystem entwickelt, welches modularisiert eingeschränkte Fähigkeiten des täglichen Lebens unterstützen kann. Die Robotik soll für Handlungen am Körper der Pflegebedürftigen eingesetzt werden, die für Pflegende und Pflegebedürftige gleichermaßen mit Scham und Intimität besetzt sind. Für den Pflegebedürftigen wird dabei die Frustration gesenkt, sich nicht selbst helfen zu können und immer um Hilfe zu bitten. Des Weiteren erzielt diese Unterstützung eine Ressourcen- und Zeitersparnis für die Pflegenden und eine Senkung des caregiver stress. Dies kann auch zu einer Entlastung zwischen pflegenden Angehörigen und dem Patienten führen.

Ziel ist es außerdem, das ROBINA-System mithilfe von multimodalen Bedienmöglichkeiten (z.B. sprach-, gesten-, touchbasiert, elektromyografisch) schon mit ersten motorischen Einschränkungen, bis hin zu schweren Lähmungen und bei einem Verlust von Sprache nutzbar zu machen. Die Unterstützung, Substitution und die Stärkung von Pflege durch Robotik wird im gesamten Pflegeverlauf – von der Intensiv- bis zur Palliativpflege – entwickelt, demonstriert und evaluiert.

 

 

Das ROBINA-System soll helfen, die Patientenautonomie zu unterstützen und Entlastung von Assistenz- und Behandlungspflege durch Robotik ermöglichen. Zudem die Verbesserung und Erweiterung von Assistenz- und Behandlungspflege und bestehender Hilfsmittel durch Robotik erlauben und eine Personalisierung der Pflege durch Digitalisierung und Robotik schaffen. Schliess soll mit ROBINA die Vernetzung von Robotik-Unterstützung mit dem Pflegekonzept sowie der Hilfs- und Heilmittelversorgung unterstütz werden.

 

 

Durch die Bündelung der Pflegekompetenzen für ALS-Patienten können individuelle (technische) Dienste angeboten werden, so dass der Pflegende, bzw. Angehörige zwischen Pflegeangeboten wählen und diese durch technische Hilfsmittel ergänzen kann. Die Versorgungsprozesse (intensiv-, palliativ-, Hilfsmittelversorgung) werden auf einer digitalen Managementplattform koordiniert und allen beteiligten autorisierten Partnern zur Verfügung gestellt. Die Patienten erhalten einen persönlichen Ansprechpartner für Fragen zu ihrer Versorgung. Die Koordinatoren suchen und vernetzen qualifizierte Versorger sowie Pflegeteams, koordinieren und digitalisieren vorhandene Versorgungsbedarfe.

 

 

Ein weiteres Ziel im Szenario der ALS-Pflege ist zu untersuchen, inwieweit Robotik selbst und die Integration von Robotik in ein digitales Versorgungsnetzwerk die Effizienz der Pflege, Hilfsmittelversorgung sowie von physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen erhöhen kann. Grundsätzlich ist das ROBINA-Konzept generisch konzipiert, so dass die Übertragung auf analoge Pflegekonstellationen gewährleistet ist.

Quelle: ROBINA

10.08.2017 | 16 Aufrufe

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