Thorsten Schäfer-Gümbel hat in der Zeitung Vorwärts soeben eine Buchbesprechung vorgelegt. Sein Lesetipp gilt dem Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari und er fragt darin, wie wir in Zukunft leben werden. Der Autor beschreibt darin eine Zukunft, in der sich der Mensch einer künstlichen Intelligenz ausgeliefert hat.

Es gibt ein Buch, welches mir in den vergangenen Monaten viele Denkanstöße gegeben hat. Sicherlich ist es für den Strandurlaub keine leichte Lektüre, doch wer auf den Horizont blickt, kann diesen auch erweitern. Ich empfehle das Buch „Homo Deus“ von dem israelischen Universalhistoriker Yuval Noah Harari.

 

 

Darin beschreibt der Sachbuchautor, wie der Mensch mithilfe von Wissenschaft und technologischen Fortschritts seine Geschicke selber lenkt: Das Zentrum der neuen Weltanschauung liege im Silicon Valley. Das Hightech-Mekka verspreche Glück, Frieden, Gerechtigkeit und unendliches Leben – hier auf Erden dank Technik und nicht erst nach dem Tod. „Techno-Religion“ ist dafür ein treffender Begriff des Autors.

Das revolutionäre Potenzial der Technologie sei gigantisch. Doch brauche jeder technologische Fortschritt Visionen und „Propheten“, die sagen, wohin der Fortschritt gehen soll. Am Ende der letzten Phase enormen technologischen Fortschritts hätten zwei Weltkriege und ein zerstörtes Europa gestanden. Doch ausgerechnet jetzt entwickele die Politik dem Autor zufolge keine Visionen mehr. Stattdessen würden die Gesellschaftsutopien von Personen wie Elon Musk, Mark Zuckerberg, Steve Jobs und Investoren aus dem Silicon Valley entworfen.

Yuval Noah Harari beschreibt, wie sich in naher Zukunft die Welt teilen werde in Staaten, die durch Reproduktionsmedizin und Robotik Körper und Geist optimieren und Mensch-Maschine-Hybride produzieren, und den Rest der Welt, der beim technologischen Fortschritt außen vor bleibt. Harari betont, dass die künstliche Intelligenz dem Menschen in naher Zukunft überlegen sei. Er erhofft, dass uns diese Intelligenz freundlicher behandele als der Mensch die Tiere. Harari hegt diesbezüglich jedoch nur geringe Hoffnungen.

Das neue Glaubenssystem des Dataismus tritt in seinem Buch an die Stelle der humanistischen Größen des Individualismus, der Seele und des freien Willens. Wir delegieren laut Harari Entscheidungen stattdessen an Algorithmen. Das hat Folgen: "Wenn ich das Antivirenprogramm meines Körpers nicht regelmäßig aktualisiere, werde ich eines Tages aufwachen und feststellen, dass Millionen von Nanorobotern durch meine Venen kreisen, die nun von einem nordkoreanischen Hacker gesteuert werden."

 

 

Hararis Buch ist mit Sicherheit an manchen Stellen düster und bedrückend, zeigt aber auf interessante Art und Weise, warum wir der Zukunft nicht planlos entgegentreten dürfen. Sein Buch verstehe ich daher als Weckruf, dass wir als Politik die Digitalisierung dringend gestalten müssen. Martin Schulz' Zukunftsplan setzt hier übrigens an. Eine weitere Leseempfehlung für den Sommer.

 

Buch: Yuval Noah Harari: Homo Deus; C. H. Beck Verlag; ISBN 9783406704017

Quelle: Vorwärts

15.08.2017 | 138 Aufrufe

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