Die Weltreise von HitchBOT, dem trampenden Roboter, ist vorerst vorbei. Unbekannte beschädigten ihn in Philadelphia zu stark. Trotzdem ist das Projekt ein großer Erfolg.

Von seiner Reisewunschliste in den USA konnte HitchBOT nur die ersten beiden Punkt abhaken: Die Lichter am Times Square in New York bewundern und bei einem Sport-Event jubeln. Die übrigen 14 Ziele – etwa schlaflos in Seattle zu sein, die großartige Aussicht am Grand Canyon zu genießen, Disney World in Florida zu besuchen oder Jazz-Musik in New Orleans zu lauschen – wird das sympathische Kerlchen nicht mehr erreichen (sein Name leitet sich vom Ausdruck "to hitch a ride" ab, was so viel bedeutet wie "eine Mitfahrgelegenheit finden"). Unbekannte beschädigten HitchBOT in Philadelphia so stark, dass er seine Reise nicht mehr fortsetzen kann. Doch das scheint ihn nicht groß aus der Bahn zu werfen: "Manchmal wiederfährt guten Robotern auch etwas Schlechtes", ließ er die Fans auf seiner Webseite wissen. Das Projekt sei nur vorläufig vorbei.

Die ursprüngliche Idee hinter dem Projekt war die interessante Umkehrung der Frage "Können Menschen Robotern trauen?". Denn auf seiner Reise würde HitchBOT eben den Menschen vertrauen müssen. Tatsächlich war das Projekt trotz des Philadelphia-Zwischenfalls ein großer Erfolg, finde ich. Immer wieder fanden sich Menschen, die ihn ein Stück mitnahmen und bei sich übernachten ließen. Sie kauften ihm T-Shirts, nahmen ihn mit auf Bootstouren und verewigten sich sogar mit Filzstift auf seinem Torso. Seine Reise dokumentierte HitchBOT mit Fotos, die seine Entwickler mit launigen Kommentaren versahen: "Habe heute Abend mit der Mikrowelle meiner Gastgeber abgehangen. Ich glaube, das könnte ein Date gewesen sein." Menschen, die seine Reise etwa auf Facebook verfolgten, stiegen gerne darauf ein: "Careful – you don't want to get 'hitched'." Zu Deutsch: "Vorsicht, Du willst doch nicht gleich heiraten." Wer ihn nicht bei den angegebenen GPS-Koordinaten fand, war schnell enttäuscht, dass er schon wieder weitergereist war oder wenn ihn Gasteltern manchmal mehrere Tage lang behielten.

Letzten Sommer hatte ihn seine kanadisch-deutsche Forscherfamilien auf die erste große Reise geschickt: HitchBOT trampte in 19 Etappen quer durch Kanada und bewältigte dabei 10.000 Kilometer. Dank eines GPS-Senders wusste er stets, wo er war und konnte seine weitere Reisestrecke planen. Dieses Jahr flog er sogar über den großen Teich, um im Februar durch Deutschland und im Sommer durch die Niederlande zu reisen. Zur Energiegewinnung hatte er Solarpanele, bat aber wohl auch schon mal darum, über den Zigarettenanzünder etwas Strom zapfen zu dürfen. Denn neben einer Spracherkennungs-Software hatte er auch eine Chatbot-Funktion mit an Bord und konnte sich unterhalten. Dabei soll ihm auch sein Wikipedia-Wissen geholfen haben. Wie gut das funktioniert hat, weiß ich leider nicht.

Aber das scheint auch nicht die vorrangige Faszination ausgeübt zu haben (zumindest habe ich bei einer schnellen Facebook-Suche keine Kommentare dazu gefunden). Er hat augenscheinlich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugt und das allein macht ihn zu einem erfolgreichen Botschafter. Ich bin gespannt, wo sich das überall nutzen ließe. Auch wenn die USA-Reise ein frühes und jähes Ende nahm: Jede Wette, dass HitchBOT wiederkommt und es erneut versucht. Dann werden seine Gastgeber noch mehr auf ihn aufpassen.

Source:

http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Koennen-Roboter-Menschen-trauen-2767958.html

12.08.2015 | 7399 Aufrufe

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