Wenn es nach Google geht, wird dereinst eine Gestensteuerung per Radar selbst Textilien intelligent machen und über sie das berührungslose Bedienen ermöglichen.

Mit Soli und Jacquard stellt Google zwei futuristisch anmutende Bedienkonzepte vor. Bei Soli wandelt ein Radarsensor Handgesten in Steuerbefehle um und Jacquard ermöglicht Kleidungstücke mit berührungsempfindlichen Bedienflächen. So lassen sich Textilien zur Gestensteuerung per Radar nutzen.

 

Nachdem Google im Mai die neuartige Gestensteuerung Project Soli erstmals auf der hauseigenen IO-Messe vorgestellt hat, liefert der Internet-Konzern nun erste Developer-Kits an ausgewählte Entwickler aus. Ende des Jahres soll eine erste Betaphase für einen größeren Interessentenkreis starten.

 

Project Soli besteht aus einem winzigen Radarsensor, der die Handbewegungen des Benutzers misst und diese in Steuerungsgesten umsetzt. In einem Präsentationsvideo zeigen die Entwickler, wie der User mit Soli virtuelle Buttons, Regler und Schieber auf Tablets oder SmartWatches bedient.:

 

Der Kern der Technik ist die — von Googles Entwicklungslabors ATAP — entwickelte „Full Recognition Gesture Pipeline“, die die zur Gestenerkennung nötigen Informationen aus dem Radarsignal extrahiert. Das Ergebnis ist eine extrem genaue Erfassung von Handbewegungen. Laut den Entwicklern arbeitet der Radarsensor dabei deutlich präziser als etwa vergleichbare Kamerasysteme.

Da der Soli-Chip keine Sichtverbindung benötigt, lässt er sich im Gehäuse unterbringen und ist weniger fehleranfällig als etwa Touchscreens oder Kameras. Das System kommt zudem völlig ohne Linsen oder mechanische Teile aus.

 

Auch Project Jacquard wird vom ATAP-Labor geleitet: Das Konzept setzt auf berührungssensitive Flächen in Stoffen. Dazu werden leitungsfähige Fäden in die Stoffe integriert. Als Beispiel dient etwa eine Smartphone, das sich über Wisch- und Drückbewegungen auf einem Anzugärmel bedienen lässt.

 

Eine große Herausforderung ist hier laut Google die Unterbringung der Technik in den fertigen Kleidungsstücken. Deshalb arbeiten die Forscher weltweit mit Designern und Schneidern zusammen, die nicht nur die leitfähigen Textilien verarbeiten, sondern auch die Steuertechnik möglichst unsichtbar vernähen.

 

Auch die industrielle Fertigung des sehr dünnen und natürlich wirkenden Jacquard-Fadens stellt die Forscher noch vor Hürden — das Material soll sich schließlich an jeder Nähmaschine verarbeiten lassen. Als möglichen Einsatzzweck nennt ATAP die Bedienung immer kleiner werdenden Wearables wie SmartWatches, Fitnesstracker oder virtuellen Brillen.

 

http://www.elektronikpraxis.vogel.de/technologie-und-trends/articles/502497/

 

02.09.2015 | 14345 Aufrufe

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