Ein Haus, das sich aus einer Kiste entfaltet, tönt nach Science-Fiction. Doch bei der Firma Ten Fold kann ein solches Gebäude schon heute bestellt werden. Das Grundkonzept bietet viele Möglichkeiten.

 

 

Bislang hat der Traum vom Eigenheim einen Haken. Einmal entschieden, legen sich Käufer für lange Zeit auf einen bestimmten Wohnort fest – und in die Ferien mitnehmen, können sie ihre Immobilie erst noch nicht. Von den hohen Hauspreisen ganz zu schweigen. Der Lösung dieser Probleme hat sich das britische Startup Ten Fold Engineering verschrieben. Dessen Häuser entfalten sich in weniger als 10 Minuten aus einem Würfel.

 

 

Die sogenannte uBox kommt als kompakte und stapelbare Kiste, die problemlos mit einem Lastwagen transportiert werden kann. Auf dem vorgesehenen Grundstück lässt sich daraus ein 60-Quadratmeter-Gebäude entpacken. Per Knopfdruck setzt sich ein komplizierter Mechanismus aus Metallgelenken und Federn in Bewegung und öffnet das Haus. Dazu werden weder Arbeiter noch Energie gebraucht: Das Gebäude wird durch die Schwerkraft und das Eigengewicht des Bodens in seine Form ausgefaltet.

 

 

Der Preis von 100'000 Pfund (rund 123'000 Franken) für die uBox liegt deutlich unter dem eines Hauses von vergleichbarer Grösse. Für den Architekten David Martyn, den Gründer der Firma, ist die Flexibilität besonders attraktiv: «In der heutigen Welt ist Beweglichkeit das Wichtigste, weil sich alles so schnell verändert», sagte Martyn gegenüber CNN. «Wir versuchten deshalb etwas zu entwickeln, das leicht transportiert werden kann, das ohne Kran oder Arbeiter entladen werden kann und das in wenigen Minuten aufgebaut ist.»

 

Ursprünglich als Wohnhäuser gedacht, könnten die Häuser auch als Büroräume, Klassenzimmer, Läden, Restaurants oder Ausstellungsräume genutzt werden, so Martyn. «Eine Schule könnte ihr Klassenzimmer während dem Semester an einem Ort haben und im Sommer an einem anderen Ort anders nutzen.» Laut Ten-Fold-Managerin Andrea de Boer gibt es Interessenten aus den Bereichen Wohnen, Verkauf, Events, Bergbau und Energie. Mobile Architektur liegt im Trend. Doch ein so radikales Konzept wie die Falttechnik von Ten Fold wurde bisher noch nicht umgesetzt. Die Firma rechnet mit dem weltweiten Auslieferungsbeginn Ende 2018. In den USA und Europa könnte es schon früher soweit sein, so Ten Fold auf der Firmenwebseite. Ein Prototyp in Originalgrösse ist bereits im Einsatz und im September folgt ein Demonstrationsmodell.

 

 

Angst vor einem plötzlichen Einklappen des Hauses bräuchten Kunden nicht zu haben, schreibt Ten Fold auf der Webseite zur Frage «Wird es mich zerquetschen?». Weil die Wände von der Schwerkraft nach aussen gezogen werden, ist ein Einklappen durch die Schwerkraft nicht möglich. Geschlossen wird es durch eine gesicherte Winde und auch wenn dies in wenigen Minuten passiert, so bewegen sich die einzelnen Elemente doch sehr langsam, beschwichtigt Ten Fold.

 

 

Für die Energieversorgung der mobilen Häuser gibt es verschiedene Möglichkeiten. So können Solarpanels oder ein Generator angeschlossen werden, aber es gibt auch Platz für Akkus. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung erfolgt entweder über den Anschluss an die bestehende Infrastruktur oder mit Tanks. Laut Hersteller ist sogar der Einbau einer Komposttoilette möglich. So überzeugt die Erfinder von ihrem Produkt sind, eine Konkurrenz zur traditionellen Architektur und zum Bauwesen sehen sie in den Klapphäusern nicht. «Nicht jeder muss sich ein solches Haus kaufen, weil nicht jeder das braucht», so Martyn. «Doch es ist ein Werkzeug was viele Dinge besser machen wird.»

 

Quelle: Handelszeitung   

22.08.2017 | 522 Aufrufe

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