Mit der Greenrail-Technik soll der Schienenverkehr noch etwas umweltfreundlicher werden, hofft ein Start-up.

Es gibt auf den ersten Blick attraktivere Produkte für Start-ups als – Bahnschwellen. Weder sind sie rein äußerlich sonderlich attraktiv noch innerlich wirklich innovativ. Das aber wollen drei italienische Jungunternehmer von Greenrail mit einem neuen, doppelt umweltfreundlichen Modell ändern. Der Bedarf an den Bauteilen ist groß: Allein in Europa müssen pro Jahr im Schnitt etwa 40 Millionen Stück ersetzt werden. Weltweit sind es 70 Millionen.

Greenrail entwickelte Schwellen, die größtenteils aus einer Mischung aus recycelten Reifen und Plastikabfällen bestehen – und gleichzeitig Strom produzieren. Komplett aus Kunststoff bestehende Modelle sind laut Green-rail-Chef Giovanni Maria de Lisi zu leicht, um Züge mit mehr als 80 Stundenkilometern fahren zu lassen. Deshalb besitzt ihr Modell nach wie vor einen Betonkern.

Aber auch der Kunststoffmantel habe noch genug Vorteile: Weil er Schwingungen dämpfe, sei das Greenrail-Modell leiser, langlebiger und günstiger instand zu halten, da es die Schotterbettung schone. Trotzdem ist es stabiler als reguläre Schwellen, betont de Lisi.

Die zweite Besonderheit: Integrierte Piezo-Elemente wandeln den Druck der Züge auf die Schwellen in Elektrizität um. Pro Kilometer und Stunde sollen zehn bis fünfzehn durchfahrende Züge reichen, um bis zu 120 Kilowatt zu generieren, behauptet die Firma. Für ein Energy-Harvesting-System wäre das eine hohe Ausbeute. Der generierte Strom soll per Wechselrichter – pro Kilometer einer – ins Netz eingespeist werden. Einen Prototyp gibt es bereits.

Nun arbeitet das Start-up zusammen mit der Polytechnischen Universität Mailand und weiteren Partnern an der Kommerzialisierung. Nach Green- rails Kalkulation betragen die Gesamt-Produktionskosten mit 85 Euro pro Stück deutlich weniger als bei Betonschwellen mit einer Gummibasis und nachgerüsteter Piezo-Technik. Greenrail hat die neuen Schwellen in 148 Ländern patentiert. (Matteo Ovi) / (bsc)

http://www.heise.de/tr/artikel/Gruene-Schwellen-produzieren-Strom-2577833.html

22.04.2015 | 312 Aufrufe

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