Bei amerikanischen Privatleuten kam die Technologie nicht gut an, doch die Polizei ist interessiert: Mittels Mobilfunk-Chip sollen Waffen künftig ihren Standort melden und wenn nötig Hilfe rufen.

Wenn ein Polizist seine Schusswaffe ziehen muss, hat er oft keine Gelegenheit, gleichzeitig per Funk Verstärkung anzufordern. Das kalifornische Unternehmen YardArm arbeitet deshalb an Technologie, bei dem das Hauptquartier in solchen Situationen automatisch alarmiert wird.

Um das zu ermöglichen, baut YardArm in den Griff einer normalen Pistole einen Chip ein, der Daten über das Mobilfunknetz übertragen kann. Zu diesen Daten zählen der Standort der Waffe und die Information, ob sie aus dem Halfter gezogen und abgefeuert wurde. Darüber hinaus will YardArm erreichen, dass auch die Richtung ermittelt wird, in die eine Waffe zeigt. Die Daten können in das System einer Einsatzzentrale einfließen oder auf dem Smartphone angesehen werden.

Begonnen hat YardArm, gegründet 1993, mit einem Produkt zur Überwachung der Position von privaten Schusswaffen. Allerdings lehnen viele amerikanische Waffenbesitzer Technologie oder Richtlinien zur Einschränkung von Schusswaffen ab, so dass YardArm nicht viele Kunden fand.

"Es gibt eine gesellschaftliche Nachfrage nach Technologie für intelligente Waffen, aber nicht unbedingt auch eine Marktnachfrage", sagt Jim Schaff, Vice-President für Marketing bei YardArm. "Als Konsumentenprodukt wäre es ein langer Weg geworden."

Private Besitzer rannten YardArm nicht den Laden ein, aber Strafverfolgungsbehörden blieben interessiert. Technologie zur Nachverfolgung von Polizisten gewinnt allmählich an Akzeptanz, weil Leitern und Beamten klar wird, dass die Daten dabei helfen können, sie von Vorwürfen zu entlasten und Klagen zu vermeiden. Gleichzeitig gibt es immer mehr normale Gegenstände und Geräte mit Internet-Konnektivität.

Auch die klassische Waffenindustrie reagiert auf diese Trends. Der Hersteller Beratta etwa bietet bereits i-Protect an, einen Sensor für das vordere Ende von Waffen, der Daten über ihre Verwendung erfasst und meldet. Taser, der Hersteller von nicht tödlichen Elektroschock-Waffen, verkauft zudem am Kopf getragene Kameras, mit denen Polizei und Sicherheitsdienste Einsätze dokumentieren können.

"Dash-Cams haben das Beispiel gesetzt", sagt Schaff. "In letzter Konsequenz hilft Monitoring-Technologie mehr, als sie schadet."

Derzeit versucht YardArm in Tests mit Polizeirevieren in Santa Cruz, Kalifornien, und Carrollton, Texas, die Genauigkeit der Erfassung noch zu erhöhen. Bislang wurde die Technologie nur auf Schießständen getestet, nicht im realen Polizeieinsatz.

"Es funktioniert so gut, wir merken gar nicht, dass es da ist", sagt Phil Wowak, Sheriff in Santa Cruz. "Das System liefert so viele Daten, dass wir erstmal überlegen müssen, wie wir auf die einzelnen Signale reagieren."

Mit dem Verkauf seiner Hardware und Tracking-Dienste will YardArm Mitte 2015 beginnen. Als Nächstes soll die Richtung, in die eine Waffe abgefeuert wird, exakter ermittelt werden – dieser Teil des Systems muss laut Schaff noch verbessert werden. Und trotz der anfänglichen Zurückweisung hat er auch die Privatkunden noch nicht aufgegeben: "Wir sind absolut der Meinung, dass es einen Markt von Verbrauchern gibt, die nichts dagegen hätten, die Technologie einzusetzen." (Caleb Garling) / (bsc)

23.11.2014 | 623 Aufrufe

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